Ein paar schnelle Antworten vorab
Warum ist ein LEGO SERIOUS PLAY Workshop teurer als ein normales Meeting?
Weil er nicht mit einem Meeting vergleichbar ist. Er ersetzt mehrere Meetings, die sonst durch Nachverhandlungen und übergangene Einwände nötig würden, und er sichert Ergebnisse, die sonst in der Schublade landen.
Was kaufen Unternehmen eigentlich, wenn sie LEGO SERIOUS PLAY buchen?
Keine Bausteine. Je nach Situation eine belastbare Lösung, weniger Nachverhandlung im Alltag oder eine Erfahrung, die klassische Workshop-Formate nicht liefern.
Lohnt sich eine LEGO SERIOUS PLAY Facilitator-Ausbildung wirtschaftlich?
Nur, wenn klar ist, welchen der drei Gründe die eigenen Kunden suchen, und der Workshop entsprechend gestaltet wird. Reine Technikbeherrschung allein trägt kein Geschäftsmodell.
Ist LEGO SERIOUS PLAY nur für kreative Teams geeignet?
Nein. Die anfängliche Skepsis trifft technische wie kreative Teams gleichermaßen, und verschwindet in beiden Fällen, sobald die eigenen Steine vor einem liegen.
"Die Bausteine wirken entspannt, die Methode macht Spaß." Stimmt. Nur erklärt das nicht, warum jemand 36 Stunden Ausbildung investiert oder ein Unternehmen ein Tagesbudget freigibt, das deutlich über einem klassischen Meeting liegt.
Menschen geben grundsätzlich nur aus drei Gründen Geld aus: Für eine Lösung, für mehr Bequemlichkeit oder für eine Erfahrung, die es sonst nirgends gibt. Kein Marketing-Modell vom Reißbrett, eine Beobachtung, die sich auf fast jeden Kauf anwenden lässt, ob jemand einen Handwerker ruft, sich das Essen liefern lässt oder ein Konzertticket kauft.
Daraus folgt für jeden, der etwas verkauft, eine Frage, die selten gestellt wird. Sie lautet nicht "verkaufe ich ein gutes Produkt". Sie lautet: Welchen dieser drei Gründe bediene ich eigentlich, und bin ich darin überzeugend? Die meisten Anbieter, mich eingeschlossen, beantworten diese Frage selten klar. Stattdessen wird geworben mit allem, was irgendwie positiv klingt: Innovativ, nachhaltig, wirkungsvoll. Billige Wörter, die nichts kosten und am Ende nichts erklären.
Also habe ich mir die Frage selbst gestellt: "Warum kaufen Menschen wirklich LEGO SERIOUS PLAY?" Nach über zehn Jahren Praxis lautet meine Antwort: Dieses Dreiergespann, nur eben selten so benannt.
Kurz zur Einordnung, falls Dir die Methode noch nichts sagt: LEGO SERIOUS PLAY (LSP) ist eine moderierte Methode, bei der Teilnehmende mit LEGO Steinen Modelle bauen, die ihre Antwort auf eine Fragestellung darstellen, etwa zur Teamzusammenarbeit, zur Strategie oder zu einem konkreten Problem im Projekt. Wie der Kernprozess dahinter im Detail funktioniert, steht ausführlich in LEGO® SERIOUS PLAY® kurz erklärt. In diesem Blogbeitrag geht es um etwas anderes: Nicht darum, wie die Methode funktioniert. Hier geht es darum, warum Menschen dafür Zeit und Geld investieren.
Die Lösung
Wenn Ergebnisse in der Schublade landen
Viele Workshop-Ergebnisse landen am Ende doch in der Schublade. Flipcharts werden abfotografiert, Post-its eingesammelt, und drei Wochen später fragt sich keiner mehr, was eigentlich beschlossen wurde. Die Erkenntnisse verpuffen im Tagesgeschäft, bevor sie überhaupt wirken konnten.
Bekanntes Bild: Ein Strategie-Workshop endet mit einer beeindruckenden Wand voller bunter Karten. Alle nicken zufrieden, ein Foto wird gemacht, das Whiteboard wird abgewischt. Sechs Wochen später sucht jemand verzweifelt nach dem Foto im Handy, weil im nächsten Meeting jemand fragt: "Was hatten wir da eigentlich entschieden?"
Was im Workshop wirklich hängen bleibt
Was in einem LSP-Workshop entsteht, wird anders gesichert. Die gebauten Modelle bleiben als Referenz, die Geschichten dazu haben die Teilnehmenden selbst erzählt und damit auch verstanden, nicht nur protokolliert. Wer ein Modell selbst gebaut hat, erinnert sich Wochen später noch an die Begründung dahinter, weil das Wissen nicht nur im Kopf sitzt, sondern auch in den Händen.
Nachbereitung fühlt sich bei LSP-Workshops deshalb anders an als bei klassischen Formaten. Es geht nicht darum, im Nachhinein zu rekonstruieren, was vielleicht gemeint war. Es geht darum, etwas zu dokumentieren, das im Raum bereits alle gemeinsam verstanden haben. Der eigentliche Unterschied liegt nicht darin, ob ein Workshop gut war. Er liegt darin, ob danach noch etwas übrig bleibt, mit dem im Alltag tatsächlich weitergearbeitet wird.
Die Bequemlichkeit
Klingt zunächst falsch. Ein LSP-Workshop ist anstrengender als ein Meeting mit Flipchart, das stimmt. Die eigentliche Bequemlichkeit zeigt sich erst danach.
Warum Entscheidungen mehrfach fallen
Ein Strategiemeeting, wie es jede Woche irgendwo stattfindet: Eine Person präsentiert ihren Vorschlag, drei andere nicken höflich. Ganz anwesend sind sie eh nicht. Im Kopf entstehen längst Einwände, die niemand offen ausspricht. Zwei Wochen später, in einem völlig anderen Kontext, taucht derselbe Einwand wieder auf, manchmal als offene Kritik, manchmal als stille Verweigerung. Die Entscheidung wird dadurch nicht einmal getroffen. Sie wird drei- oder viermal getroffen, jedes Mal mit demselben Energieaufwand.
Diese Dynamik kennt vermutlich jeder, der schon in einer Organisation gearbeitet hat: Die Hierarchie sitzt am Tisch, die ranghöchste Person spricht zuerst, alle anderen orientieren sich vorsichtig daran. Wer eine abweichende Meinung hat, überlegt sich genau, ob sie den Aufwand wert ist. Meistens lautet die Antwort: Lieber nicht, jetzt nicht, vielleicht später unter vier Augen.
Keine Nachverhandlung mehr
Im LSP-Workshop hält niemand seine Meinung zurück, weil jede Person ihr eigenes Modell baut und erklärt, bevor überhaupt gemeinsam reflektiert oder entschieden wird. Tabus, die sonst verschwiegen werden, kommen offen auf den Tisch. Eine Nachverhandlung gibt es danach nicht mehr. Niemand sagt zwei Wochen später: Hätte man mich gefragt, ich bin nicht gehört worden. Oder: Das funktioniert eh nicht. Jede Person bekommt im Workshop selbst eine Stimme, wird gehört und verstanden, nicht erst im Nachhinein. Diese Sätze sind es, die klassische Veränderungsprozesse so zäh machen, weil sie zu endlosen Abstimmungsrunden führen, in denen längst Beschlossenes wieder aufgeschnürt wird. Wer von Anfang an mitgebaut hat, steht am Ende auch dahinter. Das spart Zeit, auch wenn der einzelne Termin länger dauert als gedacht.
Die Erfahrung
Fast jeder denkt sich insgeheim: Ernsthaft? Mit Bausteinen soll ich eine komplexe Unternehmensherausforderung bearbeiten?
Meistens ist es eine Person im Raum, die diese Skepsis am deutlichsten zeigt: Verschränkte Arme, ein kurzer Blick zum Nachbarn, ein leises "Mal sehen, wie lange das hier dauert". Diese Person ist es dann oft, die nach den ersten Minuten als Erste tief im eigenen Modell versinkt, weil die Hände beginnen, etwas zu bauen, das der Kopf noch gar nicht vollständig erfasst hat.
Die Skepsis bleibt berechtigt, bis die eigenen Steine vor einem liegen und das echte Problem damit Form annimmt. In diesem Moment verschwindet der Zweifel. Was vorher abstrakt war, eine vage Sorge, ein diffuses Bauchgefühl, bekommt plötzlich eine Form, die sich anfassen und verschieben lässt. Keine PowerPoint-Folie löst dieses Gefühl aus. Deshalb greifen Menschen, die einmal mit der Methode gearbeitet haben, bei der nächsten wichtigen Fragestellung eher wieder zur Methode als zu einem klassischen Meeting. Sie haben erlebt, wie sich das eigene Denken sichtbar anfühlt, und das vergisst man nicht so leicht.
Lösung, Bequemlichkeit, Erfahrung
Das ist es, was Menschen tatsächlich kaufen, wenn sie LEGO SERIOUS PLAY lernen oder buchen. Nicht "Spaß mit bunten LEGO-Steinen in knalligen Farben."
Für mich als Trainer hat diese Erkenntnis eine praktische Konsequenz. Wenn ich Facilitator:innen ausbilde, geht es nicht nur um die Technik der Methode. Es geht auch darum, zu verstehen, welchen dieser drei Gründe ein Kunde oder ein Team gerade am dringendsten braucht, und den Workshop entsprechend zu gestalten. Wer das nicht unterscheidet, baut im besten Fall zwar einen technisch sauberen Workshop. Er trifft damit aber möglicherweise nicht den eigentlichen Bedarf.
Für jeden, der mit Methoden oder Trainings arbeitet, gilt dieselbe Frage wie am Anfang. Also nochmal: Welchen der drei Gründe bediene ich wirklich, und bin ich darin überzeugend?
Das ist auch der Kern dessen, was ich im 4-tägigen Facilitator-Training vermittle. Nicht nur, wie Kernprozess, Anwendungstechniken und Skills Building von LEGO SERIOUS PLAY funktionieren, sondern wie Du als Facilitator erkennst, welchen Bedarf ein Raum gerade wirklich hat, und wie Du Deine Workshops entsprechend gestaltest.
"Keine Buzzwords, sondern Können, das bleibt." Wer nur die Technik beherrscht, hat einen Teil der Ausbildung übersprungen. Ob Dir diese Unterscheidung reicht oder nicht, entscheidest Du. Ich verkaufe hier jedenfalls keine Bausteine.
Wenn Du das lieber aus Unternehmenssicht lesen willst, deckt Brickolution® die Methode ausführlich aus Sicht von Unternehmen ab.
Wenn Du das Ganze selbst lernen willst: Termine der nächsten Ausbildungen findest Du auf matthias-renner-trainer.com.
Von Matthias Renner, KI-unterstützt recherchiert.





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