Ein paar schnelle Antworten vorab:
Was ist ein Beispiel für eine LEGO SERIOUS PLAY Case Study im Change Management?
Die Abteilung Erwachsenenpastoral im erzbischöflichen Seelsorgeamt Freiburg hat mitten im Großprojekt "Kirchenentwicklung 2030" einen Workshop gemacht, um die eigene Rolle und Aufgabenverteilung neu zu klären, bevor sich die Struktur um sie herum grundlegend ändert.
Wie lief der beschriebene LEGO SERIOUS PLAY Workshop ab?
Sieben Kolleginnen und Kollegen haben zunächst einzeln gebaut, wie die Abteilung heute arbeitet und von außen wahrgenommen wird. Aus diesen Einzelmodellen ist danach ein vereintes Modell entstanden, das alle Perspektiven zusammenführt, nicht nur den kleinsten gemeinsamen Nenner.
Was war das konkrete Ergebnis des Workshops?
Eine gemeinsam getragene Klärung von Rollen und Aufgaben, die im weiteren Verlauf des Veränderungsprozesses als Referenz diente. Die Abteilungsleiterin beschreibt das Ergebnis selbst als tief beeindruckend und würde die Methode für weitere Themen wieder einsetzen.
Eignet sich LEGO SERIOUS PLAY auch für nicht-wirtschaftliche Organisationen?
Ja. Dieser Fall stammt aus der kirchlichen Verwaltung, nicht aus einem Unternehmen. Die Methode funktioniert überall dort, wo Menschen zusammenarbeiten, unabhängig davon, ob es sich um ein Unternehmen, eine Verwaltung oder eine andere Organisation handelt.
Eine Case Study mit anonymisierten Zahlen und einem zufrieden lächelnden Stockfoto-Menschen. Genau das hier ist keine. (Ok, außer dem Bild, das ist KI generiert.) Diese Geschichte hat einen echten Namen, eine echte Organisation und einen Veränderungsprozess, der bis heute läuft. Das ganze Gespräch mit Judith Weber gibt es zum Nachhören im Enten-Talk-Podcast.
Der Ausgangspunkt: 1080 Pfarreien werden zu 36
Judith Weber leitet die Abteilung Erwachsenenpastoral, konkret das Referat Ehe, Familie und Diversität, im erzbischöflichen Seelsorgeamt Freiburg. Der Verwaltungsbereich, für den sie zuständig ist, ist ungefähr halb so groß wie Baden-Württemberg. Unter dem Stichwort "Kirchenentwicklung 2030" durchläuft die Diözese gerade eine der größten Strukturreformen ihrer Geschichte: Aus ehemals 1.080 Pfarreien wurden bereits 280 Seelsorgeeinheiten, demnächst werden daraus 36 Großpfarreien.
Für die Abteilungsebene bedeutet das mehr als eine neue Organigramm-Zeile. Aufgabenzuschnitte verändern sich, die Diözesanebene bekommt eine unterstützende statt eine steuernde Funktion, und Rollen, die vorher klar waren, müssen neu verhandelt werden. Genau in diesem Umfeld hat Judith Webers Team einen LEGO SERIOUS PLAY Workshop gemacht. Kein Ausflug. Arbeit an einer Frage, die sich nicht aufschieben ließ: Was ist unser Selbstverständnis als Abteilung, und wo stehen wir mit Blick auf die kommenden Veränderungen?
Skepsis zuerst, Workshop später
Wie Judith zur Methode kam
Bevor es zu diesem Workshop kam, war Judith selbst die einzige im Team, die die Methode überhaupt kannte. Begegnet ist sie ihr bei einem Seminartag der Führungsakademie Baden-Württemberg, bei dem die Teilnehmenden zum Thema Führung bauten. Was sie dort überzeugt hat, war nicht die Idee an sich, es war die Konkretion: "Dieses ich tue was, es entsteht was, wirklich konkret, nicht nur im Kopf", beschreibt sie es im Gespräch. Am Ende des Seminartags stand für sie fest, dass sie wissen wollte, wie sie an diesen Trainer herankommt.
Erst Skepsis, dann Vertrauen
Im eigenen Team war die Reaktion zunächst eine andere. "Judith, bist Du Dir sicher, dass es richtig ist für uns an der Stelle?", war eine der ersten Fragen, die sie sich anhören musste. Verständlich: Sie war die einzige mit eigener Erfahrung, der Rest des Teams sollte auf ihr Wort vertrauen. Ihre Antwort war einfach, aber verbindlich: Ja, ich bin mir ganz sicher, wir werden die Antworten gemeinsam erarbeiten.
Diese Reihenfolge, erst Skepsis im eigenen Team, dann Überzeugung durch das Erlebnis selbst, ist kein Sonderfall. Wie genau der Kernprozess dahinter funktioniert und warum gerade die anfängliche Skepsis fast immer verschwindet, sobald die eigenen Steine auf dem Tisch liegen, beschreibe ich ausführlicher in Funktioniert LEGO® SERIOUS PLAY® wirklich?.
Was im Workshop passiert ist
Drei Klausurtage, ein Prozess
Der Workshop selbst war eingebettet in einen größeren Prozess: Insgesamt drei Klausurtage im Jahr, davon einer mit den Führungskräften der Abteilung im Januar, einer im April mit dem gesamten Team, und anderthalb Tage im August gemeinsam mit mir. An einem der vorherigen Klausurtage hatte sich das Team zusätzlich mit der Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung beschäftigt, einer wissenschaftlichen Studie zum Wandel von Kirche und Gesellschaft, um die eigene Arbeit auch von außen eingeordnet zu sehen.
Von sieben Einzelmodellen zu einem gemeinsamen Bild
Im LSP-Workshop selbst haben die sieben Mitglieder der Abteilungskonferenz zunächst einzeln gebaut, wie die Arbeit heute aussieht und wie die Abteilung von außen wahrgenommen wird. Aus diesen Einzelmodellen ist im nächsten Schritt ein vereintes Modell entstanden. Kein kleinster gemeinsamer Nenner, den man ohnehin selten findet, wenn sieben Menschen unterschiedliche Perspektiven mitbringen. Eine gemeinsame Sicht, in der jede einzelne Perspektive tatsächlich Platz hatte und ausgehandelt wurde, wie die Teile zusammenpassen.
Judith beschreibt den Effekt so: Es ging nicht nur um die Methode an sich, sondern auch um das Miteinander, um den Gedanken, dass jede Person gehört wird und sich ausdrücken kann. Als Abteilungsleiterin war für sie zusätzlich interessant, wie die Referatsleitungen das Miteinander in der eigenen Abteilung sehen, und wo Dinge noch nicht geklärt waren.
Die Kollegin, die am ersten Arbeitstag mitbaute
Ein Detail aus diesem Workshop zeigt, wie ernst das Team die Methode am Ende genommen hat. Eine neue Mitarbeitende hatte an genau dem Tag, an dem der Workshop begann, ihren ersten Arbeitstag in der Abteilung. Judith hatte vorher überlegt, ob sie überhaupt teilnehmen sollte, kannte schließlich noch niemanden im Team.
Die Entscheidung fiel eindeutig: Sie gehört zum Team, also ist sie dabei. Im Rückblick beschreibt Judith das als echten Glücksfall. Die neue Kollegin hat die Abteilung und die Leitungskräfte an ihrem ersten Tag direkt kennengelernt, hat sich voll auf die Methode eingelassen und mitgebaut, und ihre Perspektive als Außenstehende, die noch keine Vorurteile über die Abteilung mitbrachte, war für alle im Raum spannend. Was nimmt jemand wahr, der von außen kommt? Was ist bekannt, was nicht? Genau diese Fragen ließen sich sonst kaum beantworten.
Das Ergebnis, und was danach kam
Am Ende zieht Judith ein klares Fazit: "Es hat total gut funktioniert." Auf die Frage, ob sie die Methode für weitere Themen wieder einsetzen würde, kommt ohne Zögern: "Auf jeden Fall." Was sie besonders beeindruckt hat, waren nicht nur die konkreten Ergebnisse selbst, sondern auch, wie viel sie über die eigenen Mitarbeitenden gelernt hat, wer sich auf eine ungewohnte Methode einlässt, wer Lust hat zu bauen, und was das über die Zusammenarbeit im Team verrät.
Nach dem Workshop gefragt, was sie sich für die nahe Zukunft wünscht, nennt sie drei Dinge: Dass die Mitarbeitenden bei der Veränderung mitgehen und dabei auch Freude finden, dass die eigene Arbeit sich so weiterentwickelt, dass sie den Menschen in den neuen Großpfarreien wirklich hilft, und dass die Abteilung LEGO SERIOUS PLAY gezielt weiter einsetzt, weil die Methode weiterbringt und einen großen Teambuilding-Effekt mitbringt.
Was das für Deine eigene Situation bedeutet
Kein Unternehmen, kein Vertriebsteam, keine Tech-Firma. Eine kirchliche Verwaltungsabteilung mitten in einer der größten Strukturreformen Deutschlands, mit echten Mitarbeitenden, echter Skepsis am Anfang und einem Ergebnis, das die Leiterin selbst als tief beeindruckend beschreibt. Wenn die Methode hier trägt, in einem Umfeld, das man selten mit LEGO SERIOUS PLAY in Verbindung bringt, sagt das mehr über ihre Tragfähigkeit als jedes Hochglanz-Testimonial.
Wenn Du selbst herausfinden willst, wie sich das live anfühlt: Termine der nächsten Meetups und Ausbildungen findest Du auf matthias-renner-trainer.com.
Von Matthias Renner, KI-unterstützt recherchiert.





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