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Keine Erfindung vom Reißbrett: Die Geschichte von Rasmussen und Kristiansen

Pädagoge trifft Stratege: der akademische und berufliche Hintergrund von Robert Rasmussen und Per Kristiansen, den Köpfen hinter LEGO® SERIOUS PLAY®.

Ein paar schnelle Antworten vorab:

Wer hat LEGO® SERIOUS PLAY® (LSP) entwickelt?

Der dänische Pädagoge Robert Rasmussen leitete die Entwicklung ab 1999, der Stratege Per Kristiansen kam Ende 2001 dazu. 2001 stellten beide die fertige Methode der Öffentlichkeit vor. Die ausführliche Zeitleiste steht in LEGO® SERIOUS PLAY® kurz erklärt, dieser Artikel geht einen Schritt weiter: Wer waren die beiden fachlich, bevor sie die Methode entwickelten?

Haben Johan Roos und Bart Victor LEGO SERIOUS PLAY entwickelt?

Nein. Sie hatten Mitte der 1990er-Jahre die ursprüngliche Idee, mit LEGO Bausteinen Strategiearbeit zu betreiben, und experimentierten selbst jahrelang damit. Zur robusten, wiederholbaren Methode wurde daraus aber erst etwas, als Robert Rasmussen ab 1999 die systematische Entwicklung übernahm. In der offiziellen Entstehungsgeschichte der AoMT heißt es dazu sinngemäß: Bei Roos und Victor allein machte es noch nicht "Klick".

Welchen akademischen Hintergrund hat Robert Rasmussen?

Rasmussen hat einen Master in Pädagogik von der Royal Danish School of Education in Kopenhagen und hat zusätzlich Psychologie und Soziologie studiert. Insgesamt 13 Jahre (1988–2001) war er bei LEGO als Leiter der Forschung und Entwicklung für LEGO Education tätig, unter anderem verantwortlich für LEGO Mindstorms. Die ersten elf dieser Jahre lagen vor 1999, dem Jahr, in dem er zusätzlich die LSP-Entwicklung übernahm.

Welchen beruflichen Hintergrund hat Per Kristiansen?

Kristiansen hat einen Master in International Business (interkulturelles Management) von der Copenhagen Business School, ergänzt um Prüfungen an der Università Bocconi in Mailand. Bei LEGO leitete er später das globale Geschäft mit LEGO SERIOUS PLAY, bevor er 2006 zu Trivium wechselte.

Was hat LEGO SERIOUS PLAY mit LEGO Mindstorms zu tun?

Beide Produkte entstanden im selben LEGO-Bereich unter Rasmussens Leitung. Mindstorms ist benannt nach dem Buch des MIT-Forschers Seymour Papert, mit dessen Kolleg:innen am MIT Media Lab und an der Tufts University Rasmussen 15 Jahre zusammenarbeitete, bevor er die LSP-Entwicklung übernahm.


Zwei Namen fallen in jeder Erklärung von LEGO SERIOUS PLAY: Robert Rasmussen und Per Kristiansen. Die grobe Chronologie ist schnell zusammengefasst: Die Idee stammt von Johan Roos und Bart Victor, Mitte der 1990er-Jahre. Entwickelt hat die Methode ein Team um Rasmussen, Kristiansen kam später dazu, gemeinsam gründeten sie 2010 die Association of Master Trainers (AoMT). Diese Zeitleiste steht bereits ausführlich in LEGO® SERIOUS PLAY® kurz erklärt, hier wiederholen wir sie nicht.

Was in dieser Zeitleiste fehlt, ist der fachliche Hintergrund der beiden Männer selbst. Der erklärt mehr darüber, warum die Methode bis heute trägt, als jedes Gründungsjahr.

Robert Rasmussen: Der Pädagoge hinter LEGO Mindstorms

Elf Jahre bei LEGO Education

Bevor Rasmussen 1999 die Leitung der Entwicklung übernahm, war er bereits elf Jahre als Leiter der Forschung und Entwicklung für LEGO Education tätig. Sein akademischer Hintergrund ist ein Master in Pädagogik von der Royal Danish School of Education in Kopenhagen, dazu Studien in Psychologie und Soziologie.

Warum Mindstorms nach Papert benannt ist

In dieser Rolle verantwortete er unter anderem die pädagogische Konzeption von LEGO Mindstorms, bis heute das meistverkaufte Produkt der LEGO-Firmengeschichte. Der Name ist kein Zufall. Mindstorms ist benannt nach dem 1980 erschienenen Buch "Mindstorms: Children, Computers, and Powerful Ideas" von Seymour Papert. Papert gilt als Begründer des Konstruktionismus, mehr dazu in Vom Konstruktivismus zum Konstruktionismus. Papert hatte in Genf direkt mit Jean Piaget zusammengearbeitet, dessen Konstruktivismus wir bereits behandelt haben, bevor er ans MIT ging und dort 1985 zu den Gründungsmitgliedern des MIT Media Lab wurde, der interdisziplinären Forschungseinrichtung des MIT für Technologie und Lernen. Dort leitete er die Forschungsgruppe "Epistemology and Learning", die intellektuelle Heimat des Konstruktionismus.

Wie der Kontakt zum MIT entstand

Den Kontakt zwischen LEGO und Papert stellte 1984 der damalige LEGO-Firmenchef Kjeld Kirk Kristiansen persönlich her, Enkel des Firmengründers. Ein Fernsehinterview mit Papert reichte offenbar aus, und schon suchte er selbst den Kontakt zum MIT. Kjeld und Per sind nicht miteinander verwandt. Der Name ist in Dänemark ungefähr so gängig wie Müller, Meier, Schulze. LEGO förderte das Media Lab von da an, seit 1989 sogar mit einer eigens für Papert eingerichteten Professur.

Was aus dieser Zusammenarbeit konkret entstand, lässt sich nachlesen, nicht nur behaupten: Bereits 1987, gut ein Jahrzehnt vor dem offiziellen Mindstorms-Marktstart, baute das Media Lab einen ersten Forschungsprototyp des programmierbaren LEGO-Steins. Chris Rogers von der Tufts University entwickelte die Software ROBOLAB, mit der die ersten Mindstorms-Sets programmiert wurden. Dazwischen lagen gemeinsame Projekte wie TC Logo und Control Lab, in denen Kinder eigene Maschinen aus LEGO-Bausteinen bauten und gleichzeitig programmierten, Jahre bevor Mindstorms 1998 offiziell auf den Markt kam.

Ein Jahrzehnt Vorbereitung

In dieses Umfeld war Rasmussen fest eingebunden. Während seiner gesamten Zeit als Leiter des Mindstorms-Entwicklungsteams arbeitete er direkt mit Designer:innen und Forscher:innen der Tufts University und des MIT Media Lab zusammen, um handlungsbasierte Lernwerkzeuge zu entwickeln. Er war die Person, die auf LEGO-Seite dafür sorgte, dass Paperts Lerntheorie tatsächlich zu einem Produkt wurde. Millionen Kinder hielten es in den Händen, lange bevor irgendjemand an einen Workshop mit Erwachsenen dachte.

Als Rasmussen ab 1999 zusätzlich die Entwicklung dessen übernahm, was später LEGO SERIOUS PLAY wurde, brachte er einen starken Hintergrund in Lernpsychologie mit: Über ein Jahrzehnt praktische Erfahrung, konstruktionistische Theorie in ein funktionierendes Produkt zu übersetzen, in eben der Forschungsumgebung, die diese Theorie selbst hervorgebracht hatte.

Per Kristiansen: Der Stratege, der nie aufgehört hat zu lernen

Vom Change Agent zum globalen Geschäftsleiter

Kristiansen kam aus einer anderen Richtung. Sein Master in International Business (interkulturelles Management) stammt von der Copenhagen Business School, ergänzt um Prüfungen an der Università Bocconi in Mailand. Bei LEGO begann er als Change Agent im Vorschulbereich, als rechte Hand des globalen Brand Directors. Ende 2001 wechselte er zu Executive Discovery, einer von Kjeld Kirk Kristiansen gegründeten und finanzierten Firma, die LEGO SERIOUS PLAY zunächst eigenständig neben der eigentlichen LEGO Company entwickelte und vermarktete. Dort war er unter anderem für das Geschäft in Europa, Südafrika und dem Nahen Osten verantwortlich, außerdem gemeinsam mit Rasmussen einer von zwei globalen Master Trainern. Als Executive Discovery in die LEGO Company integriert wurde, übernahm er die globale Leitung von LEGO SERIOUS PLAY. Es folgte eine kurze Station bei Danfoss Universe, einem Innovationspark, der LSP selbst einsetzte, bevor er 2006 Partner bei Trivium wurde.

Sechs Weiterbildungen bei den bekanntesten Namen

Was danach kommt, ist eigentlich der spannendere Teil. Kristiansen hat es nach der Entwicklung von LSP nicht dabei belassen. Er hat sich über Jahre gezielt bei einigen der anerkanntesten Namen im Bereich Change- und Komplexitätsmanagement weitergebildet:

  • "Leading Change and Organizational Renewal" an der Harvard Business School.
  • "Leadership Foundations" bei Peter Senge (MIT), dem Vordenker des systemischen Denkens in Organisationen.
  • "Presencing: Collective Leadership for Profound Innovation and Change" bei Otto Scharmer (MIT), bekannt für seine Theory U.
  • Akkreditierung als Cognitive-Edge-Facilitator, dem von Dave Snowden entwickelten Rahmenwerk für komplexe Entscheidungssituationen.
  • Ausbildung in "Transformative Scenario Planning" bei Adam Kahane und Reos Partners. Kahane moderierte Anfang der 1990er-Jahre die Mont-Fleur-Szenarien, einen Prozess, der zur friedlichen Verhandlung von Südafrikas Übergang aus der Apartheid beitrug.
  • Mitgliedschaft im NeuroLeadership Institute, inklusive Zertifikat in den Grundlagen der NeuroLeadership.

Gemeinsam mit Rasmussen veröffentlichte Kristiansen später außerdem "Building a Better Business Using the LEGO SERIOUS PLAY Method" (Wiley, 2014), das erste Buch der beiden über die Methode.

Zwei völlig unterschiedliche Wege, ein gemeinsamer Tisch

Zwei Perspektiven, die sich ergänzen

Ein Pädagoge und ein Stratege am selben Tisch: Das hätte auch komplett den Bach runtergehen können. Was diese beiden Biografien stattdessen zeigen: Zwei Perspektiven, die sich ergänzen, nicht im Weg stehen. Rasmussen brachte die Pädagogik mit, verwurzelt in genau der Forschungsumgebung, die Konstruktivismus und Konstruktionismus hervorgebracht hat. Kristiansen brachte die Businessperspektive mit, und er hat sie über Jahrzehnte hinweg mit einigen der ernsthaftesten Stimmen zu Wandel und Komplexität weiterentwickelt.

Senge, Scharmer, Snowden und Kahane sind keine Randfiguren. Sie zählen zu den bekanntesten Namen im Bereich Systemdenken, Komplexität und Wandel.

Sechs Jahre Entwicklung, kein Wochenendprojekt

Für angehende Facilitator:innen heißt das: Diese Methode ist nicht einfach das Ergebnis eines Wochenendes mit bunten LEGO-Steinen und einer guten Idee. Von der ursprünglichen Idee Mitte der 1990er bis zur fertigen Methode 2001 vergingen gut sechs Jahre, in denen zwei Menschen aus komplett unterschiedlichen Fachwelten daran gearbeitet haben.

Damit war die Geschichte für Rasmussen übrigens nicht zu Ende: Was er später als LEGO SERIOUS PLAY 2.0 weiterentwickelte, ist heute der Standard, den die Association of Master Trainers lehrt, aber das ist ein eigener Artikel für sich.

Wie sich diese beiden Biografien in die übrige Wissenschaft hinter der Methode einfügen, zeigt die Gesamtübersicht Die Wissenschaft hinter LEGO® SERIOUS PLAY®.

Wer selbst erleben will, wie diese Mischung aus Pädagogik und Strategie im Workshop tatsächlich wirkt, statt nur darüber zu lesen, findet einen ersten, unverbindlichen Eindruck bei den nächsten Terminen.

Von Matthias Renner, KI-unterstützt recherchiert.

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